29 Mrz 2016
März 29, 2016

Kühlsole auf olympischem Niveau

Dem Curling Club in Hamburg ist sein Eis heilig. Denn ohne eine perfekte Eisfläche sind sportliche Höchstleistungen nicht möglich. In Hamburg trainieren schließlich deutsche Olympioniken. Um eine sichere und konstant niedrige Temperatur zu gewährleisten, vertraut man in einer der wenigen reinen Curling-Hallen Deutschlands auf Kälteträger von TYFO.

Felix Schulze streckt sich, geht in die Knie, stößt sich elegant auf dem rutschigen Eis ab und gibt den 18 kg schweren Granitstein mit einer kleinen Drehung frei. Der Stein curlt über die knapp 46 Meter lange Eisfläche. Seine Teampartner Christopher Bartsch und Sven Goldemann wischen mit ihren Besen die Eisfläche vor dem Stein. Der hält seine Richtung und Geschwindigkeit, bevor er langsam im Tee, dem kleinen weißen Zielkreis, zum Stehen kommt. Punktlandung! Schulze, Bartsch und Goldemann traten 2014 bei den Olympischen Spielen in Sotschi für Deutschland im Curling an. Sie sind Mitglieder des Curling Club (CC) Hamburg, der erstmals die Deutsche Nationalmannschaft stellte. Die drei trainieren im Eckelmann-Jahr-Rink, einer von nur fünf reinen Curling-Hallen in Deutschland. „Dies ist insofern etwas Besonderes, als viele andere Curling Clubs sich ihre Eisfläche mit anderen Sportarten wie z.B. Eishockey oder Eiskunstlauf teilen müssen und daher nur selten auf fachmännisch präpariertem ‚Curling-Eis’ spielen können“ erklärt Sabine Belkofer-Kröhnert, die im CC Hamburg die Geschäfte leitet und selbst bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City die deutschen Farben vertrat. Bei Olympischen Spielen ist Curling Publikumsmagnet im Fernsehen. Der Sport ist für seine Spannung und sein Fairplay bekannt und kommt ohne Schiedsrichter aus. „Lieber verlieren als unehrenhaft gewinnen, das nennen wir den ‚Spirit of Curling’“, so Belkofer-Kröhnert. „Und das Eis ist uns heilig, da es die Grundlage unseres Sports ausmacht“, verrät sie.

Kältemaschine auf Ammoniakbasis

Für das Eis im CC Hamburg ist Markus Wisniewski verantwortlich. Er ist gelernter Kältetechniker – eine gute Voraussetzung, um perfektes Eis zu präparieren. „Curling-Eis ist spezielles Eis. Das Curling-Spielfeld muss absolut eben sein“, erläutert der Eismeister. Einmal täglich hobelt er das Eis mit seinem Eismaster Millennium, einem elektrischen Messer auf Rädern. Anschließend fegt er und besprüht die Fläche mit feinen Wassertropfen. Aufgrund des Gewichts des Steins bildet sich zwischen ihm und dem Eis ein dünner Wasserfilm, auf dem der Stein dann gleitet – er „curlt“.  Im Juli beginnt Wisniewski das Eis für die im August beginnende Saison aufzubauen – ein Prozess, der drei Wochen dauert. Der CC Hamburg verfügt über eine Kältemaschine mit zwei Kompressoren. In der Maschine mit 200 kW Leistung kommen 120 kg Ammoniak als Kältemittel zum Einsatz. Beim Eisaufbau laufen beide Kompressoren. Im Saisonbetreib ist nur ein Kompressor nötig, der andere kann im Notfall übernehmen.

TYFOCOR® Kühlsole für konstante Eistemperaturen

Am Wärmetauscher trifft das Ammoniak auf TYFOCOR®, das als Sole eingesetzt wird. Um eine Eisbahn auf sehr tiefe Temperaturen abzukühlen, muss die Sole neben gutem Wärmetransportvermögen und Korrosionsschutzeigenschaften möglichst niedrige Viskositäten im gesamten Temperaturbereich aufweisen. Nur so können ein optimales Fließverhalten und ein guter sowie schneller Wärmetransport sichergestellt werden. „Bei Temperaturen von bis zu
–20 °C bietet TYFOCOR® – auf Basis von Ethylenglykol – einen optimalen Langzeit-Frost- und Korrosionsschutz. Manchmal werden in Eissporthallen jedoch auch tiefere Temperaturen benötigt. Dann wird als Wärmeträgermedium TYFOXIT® verwendet, ein auf Salzen organischer Säuren basierender, glykolfreier Hochleistungs-Kälteträger, der eine äußerst niedrige Viskosität aufweist“ erklärt Dr. Marco Bergemann von der TYFOROP Chemie GmbH aus Hamburg.

Im Curling Club Hamburg verlaufen ca. 14.000 Meter Kälteschlangen unterhalb der Eisfläche der vier Spielfelder. Mit –9 °C fließt die Sole in die Kälteschlange; im Rücklauf beträgt die Temperatur –8 °C. „Alles wie es sein soll“, sagt Wisniewski beim Ablesen der Thermometer, „der Unterschied muss idealerweise 1 K betragen“. Durch den Einsatz von TYFOCOR® erhält die Eis-Oberfläche eine Temperatur von konstanten –5 °C. Einmal im Jahr wird die Kältemaschine gewartet – dabei wird auch eine Probe des Kälteträgers gezogen und zur Prüfung ins Labor gesendet. „Unsere Kälteanlage läuft auch dank TYFOCOR®  reibungslos“, sagt Markus Wisniewski. Flockenbildung und Korrosion – Worst-Case-Szenarien, wie sie beim Einsatz von minderwertigem Glykol entstehen können – sind in Hamburg ausgeschlossen. Die Korrosionsinhibitoren des TYFOCOR® schützen die im Heizungs- und Kälteanlagenbau verwendeten Metallwerkstoffe auch in Mischinstallationen lange und zuverlässig vor Korrosion und Alterung. Bis April dauert die Curling-Saison in Hamburg, dann wird Markus Wisniewski das Eis innerhalb von zwei Wochen abtauen. „Dank unserer Halle und dem guten Eis sind wir seit diesem Jahr Bundesstützpunkt für den Nachwuchs“, verrät Sabine Belkofer-Kröhnert mit Stolz. Beste Voraussetzungen dafür, dass auch die Olympioniken von morgen aus der Hansestadt kommen.